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Verdiente Ehrung für vielfachen Lebensretter Arnold Fortuin

15.10.2012 von Webmaster

Berliner Wohnprojekt für Sinti und Roma trägt Namen des ehemaligen Beurener Pfarrers

Arnold Fortuin-Haus in Berlin-Neukölln
Arnold Fortuin-Haus in Berlin-Neukölln

Pfarrer Arnold FortuinAm Freitag, dem 14. 9. 12, wurde in Berlin-Neukölln durch Kardinal Woelki ein großes Wohnprojekt feierlich eingeweiht, das 137 Wohnungen für mehr als 400 Sinti und Roma umfasst, die vorwiegend aus Rumänien stammen und bisher unter menschenunwürdigen Bedingungen lebten. Das von der der katholischen Kirche nahestehenden Aachener Siedlungs- und Wohnungsgesellschaft realisierte Projekt bietet nun bezahlbaren Wohnraum und enthält zudem eine Kultur-, Begegnungs- und Beratungsstätte.

Kardinal Woelki würdigte Arnold Fortuin in seiner Ansprache als einen „Mann, der Böses erkannte und Leben rettete” und fügte hinzu: „Die Botschaft des Kreuzes hat ihn zutiefst bewegt. Er war getroffen von der Leidenschaft Gottes für die Menschen. Sie war ein zentraler Ausgangspunkt für seine Leidenschaft für die Menschen.”

Am 19. 10. 1901 in Neunkirchen/Nahe geboren, wurde Fortuin am 31. 7. 27 in Trier zum Priester geweiht. Während seiner Kaplanzeit in der Saarbrücker Pfarrei St. Michael lernte er mehrere Großfamilien von Sinti kennen und war ihnen seelsorgerisch und freundschaftlich bis an sein Lebensende verbunden. Danach wurde er Religionslehrer an einer Berufsschule in Bad Kreuznach. Sein von einer kritischen Haltung zur Ideologie des 3. Reiches geprägter Unterricht missfiel den Machthabern, und er wurde nach Beuren/Hw. strafversetzt. Dort wirkte er vom 17. 5. 37 bis Ende 1950 als Pfarrer. Als 1939 das KZ Hinzert errichtet wurde, erlebte er in direkter Nachbarschaft, was die Nazi-Ideologie für die Menschen bedeutete. Heinrich Himmlers Festsetzungserlass vom 17. 10. 39, in dem geregelt wurde, dass alle Zigeuner im Deutschen Reich familienweise zu erfassen waren, ließ Fortuin handeln. Er versteckte mehrere hundert Sinti und Roma und verhalf ihnen zur Flucht nach Frankreich. So entgingen sie der Ermordung in den Vernichtungslagern, wo schätzungsweise 500000 von ihnen umgebracht wurden.

Unmittelbar nach Kriegsende 1945 gehörte Pfarrer Fortuin zu den ersten, die den ehemaligen Gegnern die Hand der Versöhnung reichten. „Nicht die Bomben der alliierten Flugzeuge waren ursächlich das Übel, sondern die menschenverachtende Ideologie der NSDAP und deren Anhänger”, sagte er damals. Der Bau der Kapelle in der Gedenkstätte Hinzert ist maßgeblich sein Verdienst. Als er im Januar 1950 die Pfarrei Illingen/Saar übernahm, haben überlebende Sinti und Roma wieder Kontakt zu ihm aufgenommen. 1955 fand dort die erste Zigneunerwallfahrt statt. 1965 ernannte Kardinal Döpfner, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, ihn zum Seelsorger der Sinti und Roma. Am 19. 6. 70 starb Arnold Fortuin in Illingen und wurde in seiner Heimatgemeinde Neunkirchen/Nahe beigesetzt.

Auch in seiner ehemaligen Pfarrei Beuren mit den Filialen Prosterath und Hinzert werden sich viele Menschen darüber freuen, dass ihr früherer Seelsorger Fortuin, vielfach auch „Oskar Schindler der Sinti und Roma” genannt, die späte Ehrung erfahren hat, dass ein großer Wohnkomplex in Berlin seinen Nahmen und auf einer Giebelfassade sein Bild trägt.

 

Quellen: www.arnold-fortuin.demahnmal-trier.de; Saarbrücker Zeitung vom 12. 10. 12; Berliner Kurier vom 14. 9. 12

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